projekt

social dogma

Ein Filmprojekt von Thomas Henke und Studierenden der Fachhochschule Bielefeld – Fachbereich Sozialwesen

Nach dem künstlerischen Großprojekt „Liquid Identities“ (2003–2009) hat Medienkünstler Thomas Henke zusammen mit seinen Studentinnen und Studenten eine weitere Auseinandersetzung mit dem Format des Videoporträts vorgelegt.

Die Zielsetzung von „Social Dogma“ ist die Herstellung filmischer Porträts im Rahmen einer medialen Patenschaft.

So sind für „Social Dogma“ elf Partnerschaften zwischen Studentinnen und Studenten der FH Bielefeld und verschiedenen Persönlichkeiten entstanden, die bereit waren, sich in das Medium Film bzw. Video zu übertragen. Alle Porträtierten befinden sich in einer besonderen Lebenssituation. Einige dieser Porträts spiegeln auf unterschiedlichste Weise die Lebensbedingungen verschiedener Minderheiten in unserer Gesellschaft.

Die Studierenden haben ihre jeweiligen Partner bei der Herstellung der Filmporträts über einen längeren Zeitraum begleitet: Sie haben ihre Filmpartner angeleitet, sich selbst und ihr unmittelbares Umfeld zu filmen, ihre Gedanken und Gefühle zu dokumentieren. Sie haben zahlreiche Interviews mit ihnen geführt, gemeinsam neue Perspektiven und Themenkomplexe eröffnet und zusammen das entstehende Filmmaterial ausgewertet.

Im Mittelpunkt stand dabei der experimentelle Umgang mit dem Medium: Unterschiedliche filmische Strategien wie das Führen eines Videotagebuchs, wo nur das Medium selbst als Gegenüber fungiert, Erlebnisberichte der jeweiligen Partner über den Porträtierten sowie der unmittelbare Umgang miteinander vor und mit der Kamera untersuchen die vielschichtigen Herstellungsweisen des Mediums.

So spiegeln die Porträts die komplexe Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Realitätsebenen und Realitätsniveaus. Ausgelöst durch das partnerschaftliche Handeln und die im Medium dokumentierte Interaktion wird das Spannungsfeld zwischen filmischer Realität und unmittelbarem Erleben des Gegenübers spürbar. Auf der Basis gewachsener Beziehungen sind so intensive (Selbst)-Porträts entstanden, die durch den partnerschaftlichen Herstellungsprozess für den Betrachter das Gefühl besonderer Nähe zu den Porträtierten ermöglichen. Die innovative Anwendung des Mediums offenbart eine jeweils eigene, unverwechselbare filmische Sprache.

Angesichts der gegenwärtigen stereotypen massenmedialen Produktion von Menschenbildern proklamiert „Social Dogma“ nicht nur ein soziales
sondern ein ästhetisches Dogma.

Porträts:
Sarah Althoff, Tina Althoff, Younes Azlafy, Alexander Brandt, Janine Brandt, Svetlana Derevyagina, Philipp Dick, Konrad Gerull, Tobias Hille, Marnie Ledermann, Dana Meier, Tobias Nagel, Nicole Nöding, Alina Reimann, Esther Schmieding, Mehrdad Seifi, Bettina Staschkiewicz, Robert Steinmeier, Christina Thielscher, Anna Christina Thomale, Regina Wall, Julia Wienböcker, Kristina & Stefan & Irina

Dramaturgie und Montage:
Oliver Held (Heldfilm, Köln)

Austellungsarchitektur:
Lorenz Estermann